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Lieber Erwin,

In deinen GEDANKEN vom 30. Januar 2021 beschäftigst du dich mit einer Untergruppe deines literarischen Stammpersonals: „Unseren“ Paderborner Bürgermeistern. Als der treue Dieter Honervogt an der Reihe ist, schlägst du – herzlichen Dank – einen Umweg über die phänomenalen Puddingteilchen aus seiner Bäckerzeit ein, für die man ihn mochte bzw. mag. Warum mag ich ihn ? Nicht allein wegen seiner Puddingteilchen, das zwar auch. Als 2010 bekannt wurde, dass er schließt, habe ich fortan jedes einzelne Puddingteil andächtig und kontemplativ verspeist und das letzte seiner Art dann, du kennst das Foto bereits, im Lichtbild für immer festgehalten. Aber alles hat seine Zeit. Momentan sind es die Eclairs von Austerschmidt, da die Apfel-und Kirschtaschen von Gaßmüller nicht mehr … verdammt, ich schweife wieder ab. Mein zweiter Grund, Bürgermeister Honervogt zu mögen : Er hat irgendwann spontan angefangen, mich zu duzen. Geduzt werden kann eine Demütigung sein, aber auch eine Gnade.

Vor allem Grund drei: Der stellvertretende Bürgermeister ist leitender Freund der Pader, eines der schönsten Ämter, die man in Paderborn bekleiden kann. Der dazugehörige Verein hat viel erreicht:

  • Um ein Haar die Aufnahme in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes.
  • Ein schönes Mini-Mühlrad, um im Kern-Paderquellgebiet am Fuße der neuen Michaels-Grundschule etwas Paderwasser aufzuquirlen. Ich selbst durfte dort eine didaktische Tafel beisteuern.
  • Die großartige Umgestaltung des mittleren Quellgebietes zwischen Reineke-Mühle, Paderhalle und Jacobi-Headquarters.
  • Der bei Kindern nebst Eltern sehr beliebte Wasserspielplatz am Maspernplatz.

Ob die Padersee-Umflut auch auf Dieters Konto geht, weiß ich nicht. Widmen könnten sich die Paderfreunde nun der unterschätzten und unterrepräsentierten Pader im Sektor Schloss Neuhaus. In Schloss Neuhaus ? Richtig ! Viele Menschen plappern gerne den Superlativ vom kürzesten Fluss Deutschlands nach, wissen aber oft nicht, dass die Pader nicht irgendwo am Westrand des Padersees versickert und verdunstet, sondern bis nach Schloss Neuhaus strömt. In Schloss Neuhaus fristet die Pader wie gesagt ein reales Schattendasein, und ist Teils eines zweigeteilten Phänomens: Hier der gepflegte Schlossbereich, dort der vernachlässigt-in-die-Jahre-gekommene Rest des Ortes. Zwischen abgebrochenen, zu Parkplätzen verkommenen Mühlen, „idyllischen“ Rückansichten von Alt-Industrien und Gestrüpp peppt die mächtige und stolze Pader das kümmerliche Rinnsal „Lippe“ auf, welche zu unrecht ganzen Landstrichen, Kurorten und Adelshäusern ihren Namen aufstülpt. Richtig müsste es heißen: Ostwestfalen-Pader. Stephan Prinz zur Pader. Alexander, Fürst zu Schaumburg-Pader. 59557 Paderstadt. Römer-Pader-Route. Padersee II. Nun gut, Bad Lippspringe könnte vielleicht so bleiben.

Doch schau selbst. Wie immer kommt nun der unvermeidliche Foto-Block, diesmal zur Pader in Schloss Neuhaus. Falls du Dieters E-Mail-Adresse kennst, schick’ ihm bitte einen Link. Ich bin nur eine Duz-Bekanntschaft …