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Bildvergleiche

By 9. März 2020Juli 18th, 2020No Comments

Einmündung Rolandsweg / Nordstraße im winterlichem Regenwetter · Ende 1990er Jahre

Im Bild werden mehrere Elemente zu einem Lieblingsort komponiert: Die alte Brücke über die Gleise des Nordbahnhofs, abgestellte Güterwagen des früheren Holzverladeplatzes, ein Autozubehör-Lagerschuppen, ein Werbepylon der elf-Tankstelle. Dieser Ort ist bis heute ein beliebter Schleichweg für den innerstädtischen Verkehr nordöstlich der Innenstadt. Für die Anwohner vielleicht lästig, für mich ein belebter Ort, an dem man gerne vorbei kommt. Die Lichter setzen der Szene einen Glanz auf, der nur so lange hält, wie noch Rest-Tageshelligkeit vorhanden ist.

Das Gebiet war in einem als „beendet“ empfundenen Entwicklungsstand angekommen, lange Zeit tat sich hier nicht viel. Gleise, ein paar wechselnd genutzte Schuppen, eine Tankstelle. Urbane Schläfrigkeit. Ein offener Raum, den man durchaus städtisch geprägt wahrnahm, und der gleichzeitig eine weite Perspektive bot. Im Moment des Bildes sorgt hohe Luftfeuchtigkeit für eine räumliche Staffelung zwischen Vorder- und Hintergrund. Als Betrachter und Passant hatte man einerseits nicht den Eindruck dass einem etwas entgeht, andererseits aber auch nicht, dass es nichts zu entdecken gäbe.

Die Vergleichsaufnahme von 2020 konnte nicht mehr vom exakt gleichen Standpunkt aufgenommen werden, da die Nachfolge-Bebauung des ehemaligen Raiffeisen-Areals (die „Bäuerliche“) bis an den Bürgersteig Rolandsweg reicht. Die Szene wirkt gedrungen, unübersichtlich, vollgestellt und stadtplanerisch vernachlässigt. Die westlichen Gleise nahe der Nordstraße wurden entfernt, statt dessen ist inzwischen Gestrüpp zu Gehölz hochgewachsen, das den Blick von und zur Brücke einengt. Die Brücke selbst ist nicht nur höher, sondern wegen der reduzieren Gleisanzahl kürzer geworden und hat längere Dammflanken bekommen.
Falls vor einiger Zeit bekannt gewordene Pläne für eine fortgesetzte Bebauung realisiert werden – neben dem Nordcube bis zur Brücke – wird das Bild nochmals ein ganz anderes sein.
Durch ungenaues Hinschauen brauchte ich mehrere Anläufe für die neue Variante des Fotos. Falsche Brennweite, falsches Wetter. So ganz passt es atmosphärisch immer noch nicht, für den nötigen Glanz auf dem Straßenbelag müsste es heftiger regnen.

Hotel Krawinkel · Karlstraße / Geroldstraße · 1980er Jahre

Gebäude Hauptbahnhof

Morgenstimmung von der Bahnbrücke Dr-Röhrig-Damm. 1990er Jahre

Eine sachliche, nüchterne Ruhe geht von diesem Bild aus. Bewegt sind nur die Autos auf der Brückenrampe der Nordstraße. Am Bahn-Haltepunkt „Paderborn Nord“ leuchten die Bahnhofsuhr und die Bahnsteiglampen, und bezeugen die Normalität des Zustands. Am Holzverladeplatz sind drei Bahn-Wagons alten Typs geparkt, um dort für den willkommenen Grad an Melancholie zu sorgen. Die großen Veränderungen in diesem Zwischenbereich kündigen sich noch nicht an. Man könnte Udo Lindenbergs „hinterm Horizont“ anstimmen, und die Gewissheit der dort liegenden lebendigen Stadt im Sinn haben.

Veränderungen: Nicht mehr vorhanden sind das straßennahe Gleis, das Raiffeisen-Gelände mit dem Spitzdach-Speicher (auf Paderbörnsch: die Bäuerliche), die Total-Tankstelle und der Schuppen mit dem Schriftzug „Gebrauchtwagen“. Das ehemalige Straßenbahn-Depot war noch kein Supermarkt. Heute fällt als erstes der dominante neue Nordcube ins Auge.

Schuppen des Esso Tanklagers Keck, Detmolder Straße Ecke Salierstraße · 1990er Jahre

Im letzten Abendlicht, schon erfüllt von der Straßenbeleuchtung der Detmolder Straße, rauscht der Verkehr vorbei. Die lange Belichtungszeit verändert die Leuchtspuren der Autos zu roten und gelblichen Streifen. Der schlichte kleine Zweckbau mit Werbepaneelen an der Fassade und auf dem Dach zeigt, wie bescheiden ausgeführt solche Betriebe sein konnten und doch eine eigene Ästhetik entfalteten. Die Straßenlampen an der Salierstraße vor den Silhouetten der Bebauung dort sorgen für stimmungsvolle räumliche Staffelung.

Bahnhofstraße · Gebäude Spedition Levermann · 1980er Jahre.

Immer wieder hatte es mir die herbe Fassade mit der überschaubar knappen Gliederung durch wenige Elemente angetan. Die farbliche Kombination von tiefblauem Himmel, leuchtendem roten Schriftzug und petrolgrüner Fassadenfarbgebung machten den Reiz aus. Der Strommast deutete das dahinter liegende Bahngelände an, und die einsame Zapfsäule mit der kleinen Überdachung erinnert an einschlägige Bildbände von Reise-Impressionen in den USA. Auf dem Highway vom Bahnhof nach Wewer. Der linke Bürgersteig-Abschnitt bekommt einen Rest von der nicht im Bild befindlichen Straßenbeleuchtung ab. Unpassend wirken die im Stil der 1960er Jahre unterteilten querformatigen „Wohnzimmer“-Fenster mit den verstörenden Gardinen.

Veränderungen: Statt Spedition jetzt unaufgeräumt „irgendwas-mit-Autos“. Leuchtwerbung und Tanksäule entfernt. Anstrich Orange.

Widukindstraße · Hofeinfahrt mit Blick auf das ehem. Lagerhaus der Paderborner Brauerei

Bahnhofstraße · Freie Tankstelle Ecke Balhornstraße

Heina Trinkhalle · Neuhäuser Straße · 1980er Jahre

Fußgänger-/Radfahrer-Bahnunterführung Warburger Straße zum Busdorfwall · 1980er Jahre

Die Bahnunterführung an dieser Stelle ist sehr praktisch, um mit dem Fahrrad von der Innenstadt zur Warburger Straße, zum Bahnhaltepunkt Kasseler Tor oder zur Uni zu gelangen. Die Foto-Perspektive des alten Bildes kann so nicht mehr reproduziert werden, da die Rampe zur Kasseler Tor Brücke höher und breiter geworden ist und damit näher an die Gleise gerückt ist. Bei der Tunnelbeleuchtung wurde der Lampentyp gewechselt. Nunmehr leuchtet es nicht mehr grün, sondern viel reduzierter und im rötlichen Farbton. Der winterliche Blick auf den Dom wird weitgehend durch den Gebäudekomplex der Liborigalerie mit dem Kino, welches derzeit UCI-Kinowelt heißt, verstellt. Atmosphärisch wirksames Gehölz wurde entfernt, während die drei Bäume erkennbar geblieben sind. Zum besseren Verständnis sei an dieser Stelle ein Foto von der gegenüberliegenden Seite auf die Bahnüberführung gestattet:

Bahnunterführung Blickrichtung Warburger Straße

Fußgänger-/Radfahrer-Bahnunterführung Warburger Straße zum Busdorfwall · 1980er Jahre

Stute Werbepylon Halberstädter-/Ecke Borchener Straße · 1988.

Das Foto war eine Auftragsarbeit für eine Image-Broschüre der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Paderborn. Im Abendlicht vereint es die Symbolkraft einer als modern und leistungsfähig geltenden regionalen Wirtschaft, deren Marketing oder Chef „groß“ dachte und den Firmenstolz in die Landschaft setzte, mit der dynamisch-schnittig wirkenden Verkehrsanbindung der Stadt zur A33.

Veränderungen: auf der rechten Seite der Borchener Straße sind weitere Gewerbebauten entstanden. Der Stute Werbepylon ist aus Richtung Paderborn kommend nicht mehr zu sehen, da an der erhöhten Böschung links hochgewachsenes Gehölz den Blick verstellt.

Frankfurter Weg · ehem. Davids Grill