Autos zum Beispiel. Sie können einem egal sein oder man kann eine klare Meinung dazu haben. Wir bewerten sie nicht nach anerkannter Qualität, technischen Merkmalen oder Leistungsdaten, sondern nach anderen Faktoren :
- Aufenthaltsqualität
- Erinnerte Erlebnisse
- Cockpit-Gefühl
- Proportionen
- Styling
Auf einer 5-Sterne-Skala von „ich liebe das Auto“ bis „ich hasse das Auto“ liegen wir konstant in der Mitte : „das Auto ist uns im Prinzip egal“.
Aber nicht so egal, dass es zu der oft gehörten Einschätzung käme „Für mich ist das Auto nur ein Mittel zum Zweck. Ich muss damit von A nach B kommen. Ich brauche auch kein neues – meins ist schon X Jahre alt und fährt immer noch.“
Klingt etwas zu lustlos, irgendwie. Wir brauchen nicht ständig ein Neues, aber träumen gerne davon.
In diesem Beitrag geht es also um Autos : Solche, die wir hatten, oder die wir uns gewünscht hätten, Und andere, die vielleicht nur nice-to-have gewesen wären.
1.
Unsere – Die, die wir hatten
Der Volkswagen 1500 Variant
Er gehörte uns nicht, es was Freddy seiner. Uns stand er nur zur Verfügung**, Wenn wir es mit dem Bedarf nicht übertrieben und bescheiden blieben. Zwei größere Fahrten bleiben in Erinnerung :
- 1973 zum John McLaughlin-Konzert nach Düsseldorf (siehe unser Video Selfie dazu)
- 1975 an die Côte d’Azur
**Nach dem ersten Schadensfall just während der Fahrt nach Düsseldorf, als der Motor kaputt ging, mussten wir ihm den Motor ersetzen. Austauschmotoren waren damals gang und gäbe. Nach dem zweiten (Blech-) Schaden auf der Bahnhofstraße fragte der plötzlich aus dem Erdboden aufsteigende Polizist „Rieche ich hier Alkohol ?“ Wir verneinten, standen allerdings auch nicht unter Eid, und man muss sich sowieso nicht selbst belasten. Nur : Freddy entzog uns die Fahrerlaubnis. Für immer.
Der 1500 war mit seinen 45 PS nicht untermotorisiert. Wenn man mit 60 in mittelscharfe Kurven zog, musste man ziemlich aufpassen, dass man nicht rausflog. Manchmal war es haarscharf. Freddy verkaufte das Teil irgendwann und gönnte sich einen metallic-petrolfarbenen zweitürigen Audi 80, für den er ständig Aufkauf-Angebote per Zettel hinterm Scheibenwischer erhielt. Unser Fahrverbot galt seibstverständlich auch für den Audi 80.
Die Abbildung oben zeigt Freddy und den Rest der Familie in einer kritischen Situation. Er hatte die Orientierung verloren (vermutlich in der Nähe von Trendelburg) und studierte in Ruhe vor dem Auto die Landkarte. Die anderen wagten sich vorsichtshalber nicht heraus und warteten auf der Rückbank ab bis er wieder durchblickte, während wir selbst das Foto schossen, getreu unserem lebenslang praktizierten Motto ; „Wir machen die Fotos,“
Der orangene Käfer
Ob 1300 oder 1500 – da haben wir nie drüber nachgedacht. Die Mutter hat ihn 1979 mit in die Ehe gebracht. 1981 wurde er verschrottet.
Wichtigste Fahrt : Mit Umweg über die Bretagne 1980 nach St-Girons im Departement 40 am Atlantik. Wegen eines westeuropäischen Sommer-Tiefs hörte es ab Aachen nicht mehr auf zu regnen. Das Wasser stand auf der Beifahrerseite 3 cm hoch auf dem Boden, und wurde fortwährend mit einem Kaffeebecher nach draußen geschüttet. Bei Amiens riss der Keilriemen. Dass statt dessen auch eine Nylon-Strumpfhose verwendet werden kann, hielten wir schon damals für einen Mythos. Doch zum Glück kamen nach einer halben Stunde Paderborner Freunde vorbei, mit denen der Urlaub gemeinsam geplant war. Sie fuhren in die Stadt und besorgten, trotz des kritischen Zeitpunkts „Samstag Nachmittag“ ein passendes Ersatzteil. Diese Schicksalswendung stufen wir seither als einen von 2 erlebten Gottes-Beweisen ein. Es ging weiter und wir konnten uns wieder darauf konzentrieren, mit einem Lappen die dauer-beschlagene Frontscheibe klar zu wischen, Denn eine Lüftung hatte dieser Käfer natürlich nicht. Das war auch der Grund, warum wir an dem Auto bald den Spaß verloren, Kult hin oder her. Er musste weg, und da blieb real nur die Entsorgung beim Schrotthändler Schakat in Schloss Neuhaus-Mastbruch für 50 DM.
Die Ente
Die Ente hatte 29 PS. Ihr Vorbesitzer : der Toto Blanke-Freund Uli Becker. Sie war 1975 beim Gebrauchtkauf 2 Jahre alt und wurde nach einem kleinen Unfall 1979 im Alter von nur 6 Jahren dauerhaft aus dem Verkehr gezogen, Verbleib unbekannt. Da wir uns von allen Dingen gut trennen können, machte uns das nichts aus. Bei erster Übernahme war sie grau. Erster Anstrich (immer mit Pinsel und Rolle) : Rot-Weiß. Zweiter Anstrich : Gelb. Dritter Anstrich : Maschinengrün. Beschriftungen : Erst „Cheepnis“, dann „The Ka-Car“.
- Höchste erreichte Geschwindigkeit : 130 Kmh auf der A1 Köln Richtung Dortmund an der starken Gefälle-Stelle bei Wermelskirchen.
- Niedrigste erreichte Höchstgeschwindigkeit trotz Vollgas : 35 Kmh im zweiten von insgesamt 3 Gängen auf der A7 nach dem Einbiegen von der A44 südlich Kassel Richtung Würzburg. Jeder weiß, wie stark es dort hochgeht. Vorher wurde man auf der Fulda-Brücke geblitzt, denn ohne Steigung waren mehr als 80 Kmh locker drin.
Öfter mal kam es zu kleinen Crashs, bei denen die Karosserie stark litt. Bei Citroën Prante wollte man uns gar keine Original-Ersatzteile mehr verkaufen, nur gebrauchte. Eine der gebrauchten „Kühlerhauben“ war nach 4 Wochen schon wieder Schrott. Da haben wir die alte wieder draufbekommen. Als wir einmal sonntags mit einem Seil abgeschleppt wurden, verhedderte sich das Seil mitten auf der Kreuzung in Benhausen mit dem linken Vorderrad, welches dadurch abbrach. Wir wuchteten die Karre auf den Bürgersteig, wo sie bis Montag stehen blieb. Der sog. „Zündschlüssel“ stellte nur den elektrischen Kontakt her, der Motorstart wrude aber über einen Seilzug ausgelöst. Als das Seil mal gerissen war, stellte das kein Problem dar. Einfach aussteigen, Motorhaube öffnen, den durch das gerissene Seil wirkungslos gewordenen Hebel ziehen und der Motor lief wieder. Leiden hatten wir vergessen, den ersten Gang der 3-Gang-Schaltung rauszunehmen, und die Ente setzte sich in Bewegung, um auf die Schaufensterfront eines Schlecker-Marktes an der Riemekestraße 17 zu fahren. Allerdings ohne Vollgas, sodass wir hinterher rennen konnten um das Steuer rumzureißen.
Innen wurde bald ein Metallbügel angeschweißt, in den genau ein 5L-Kanister Castrol GTX Motoröl passte, denn bei jedem Tanken musste Öl nachgeschüttet werden. Für die Fahrt nach Portugal und Südspanien gingen insgesamt 5 solcher Kanister durch. Auf die Fensterbank-artigen Radkästen hinten passte ein großes Brett. Darunter wurde auf Reisen das Gepäck verstaut, auf dem Brett wurde übernachtet. Wichtigstes Zubehörteil war ein Blaupunkt Autoradio mit UKW, das seinen Sound durch eine über dem mittleren Rückspiegel montierte kleine selbstgebaute Lautsprecherbox abgab. Auf einsamen Fahrten hatten wir immer gute Unterhaltung und waren mit der Welt verbunden.
Nach Rückkehr von der 5000-Km-Portugal/Spanienreise, zum Feierabend des ersten Arbeitstages, fuhren wir die Ente auf der Fürstenallee platt, weil wir zum Fang einer bösen Fliege (Böfli) in den Fußraum abgetaucht waren und den Stopp des Verkehrs vor uns nicht mehr mitbekamen. Irgendein Josef hat das Wrack übernommen.
Der grüne R5
Ein unvergessliches Grün und 64 PS – eine Rakete. In gleichem Grün ist seit 2025 ein Re-Make erhältlich, ein elektrischer Renault mit der Bezeichnung Renault 5.
Wir kauften das Teil 1982 für 3800 DM, steckten ca. 3000 DM an Reparaturen hinein und brachten ihn 1983 für 150 DM zum Schrottverwerter. Eine der Reparaturen betraf die Bremse. Der empfohlene Schrauber arbeitete in Brenken. Zum Glück funtionierte mit etwas Fingespitzengefühl für die Dosierung wenigstens die Handbremse, sodass wir sicher und gut ohne Abschlepperei nach Brenken kamen.
Doch zuerst waren wir froh, dass nach dem Desaster mit den beschlagenen Scheiben im Käfer der R5 eine echte Lüftung/Heizung besaß, und ein eingebautes Autoradio ! Und zwei demontierte Rennräder passten auf Urlaubsreisen auch noch hinein. Was wollte man mehr.
2 große Reisen
- Mittelmeer bei Marseille 1982
- Normandie und Bretagne vor Ostern 1983 (oben das einzige erhaltene Foto des R5)
- Vermutlich waren wir auch mal in Holland oder Belgien mit dem Auto
Der gelbe Passat Variant
55 PS, Baujahr 1976, Kauf 1983 für 1700 DM, nach vielen Investitionen verschrottet 1984
Aus dem Schaufenster bei Ford Kleine weggekauft, das Geld hatten wir zuvor aus dem Automaten gezogen. Die erste Fahrt führte von Kleine sofort zu Volkswagen Thiel, die uns für 600 DM einen sogenannten Pannhard-Stab einbauten – was immer das sein mochte. Sorgen machten von Anfang an komische Gräusche bzw. „bad vibrations“ von den Rädern. Ab Tempo 80 stellten sich Übelkeit und Kopfschmerzen ein. Nach zweimaligem ergebnislosen Austausch der Radlager – ja, sowas konnten wir damals – wurde klar, dass es die polnischen Reifen waren. Ungekonnt runderneuert oder irgendwie viereckig. Einmal rangierten wir rückwärts vom Hof, hatten aber die geöffnete Fahrertür nicht im Blick, die dann am Pfeiler hängenblieb und nach vorne umknickte. Damals konnte man Türen noch selber abschrauben und mit einem 5-Kilo-Hammer mühelos wieder grade kloppen. Schrecklich waren auch die verschlissenen lila Sitze, deren Stahlfedern sich einem in Rücken und Hintern bohrten. Freunde weigerten sich, mitzureisen. Mit dem Autoschlüssel bekam man auch andere gelbe Passat-Modelle auf. Die Mutter hat sich mal in einen mit förstergrünen Sitzen verlaufen, bis ihr das irgendwie ungewohnt vorkam, beovor die eigentliche Besitzerin auf der Bildfläche auftauchte.
Große Reisen
- Tåsinge in Dänemark
- Brugge / Antwerpen
- Port Blanc in der Bretagne
- Cherbourg (verliehen, mit Getriebeschaden nach Personen-Unfall zurückbekommen mit dem Hinweis : „ab jetzt nur noch mit Zwischengas kuppeln !“)
Als wir 1984 auf Wohnungssuche zu Besichtigungsterminen unterwegs waren, parkten wir die Karre aus Image-Gründen weit abseits, um nicht von potenziellen Vermietern damit in Verbindung gebracht zu werden.
Leider existiert kein eigenes Foto von dem Passat. Daher eine Vergleichsabbildung von einer ADAC-Seite, passend eingefärbt.
Die Ära der Gölfe
1984 waren wir die abgerockten Autowracks endgültig leid und kauften seitdem nur noch Neu-Fahrzeuge. Zwischen 1984 und 1999 hatten wir alle 4 Jahre einen neuen Golf:
- Golf II, weiß, 50 PS, vier Gänge
- Golf II, weiß, 50 PS, fünf Gänge
- Golf II, schwarz, 75 PS, fünf Gänge
- Golf III, weiß, 90 PS, fünf Gänge, Servolenkung
Allesamt Diesel. Kaputte Zündkerzen, Nicht-mehr-Anspringen, Motorstottern – das kannten wir zur Genüge. und beim Dieselmoter kommen solche Ausfälle aus Prinzip nicht vor. Natürlich wurde uns eingeredet, Diesel wären umweltschädlich, aber der sparsamere Verbrauch in Verbindung mit niedrigeren Spritpreisen sprach für unsere Präferenz. Diesel-Dieter, das waren wir.
Wenig Umfälle, wenig Emotionen, wenig Erinnerungen. Als wir den Schwarzen privat an Ulrike verkaufen wollten, ließen wir ihn bei VW Diemel in Schloss Neuhaus prüfen und schätzen. Es hieß : Getiebe kaputt. Ungläubig wiederholten wir die Prozedur bei Audi Wirowski an der Neuhäuser Straße (heute Lidl). Ergebnis : tadelloser Zustand. Das war ein erster Hinweis auf unsere spätere Einschätzung, dass Diemel ein Verbrecherladen war. Es kam beim vierten Golf noch schlimmer. Den hatten wir ab 1999 an Freddy weitergereicht. Als Freddy starb,, fiel der Golf durch Erbschaft an uns zurück. Wir hatten zwei Optionen: Verkauf an Theo, der 2000 Euro bot. Oder, nach Preisschätzung bei Diemel, dort für 1500 Euro. Als wir nach erfolgter Schätzung wiederkamen und sagten, dass wir lieber privat (an Theo) verkaufen wollten, sagte der Gebrauchtwagen-Heini bei Diemel (ein gewisser „W.“) : „Das geht nicht. Das Auto ist schon auf dem Weg nach Afrika. Hier sind die 1500 Euro.“ Wir : „Moment mal, das war noch nicht abgemacht. Wir haben ja auch noch den Fahrzeugbrief.“ W. darauf „den brauchen wir in Afrika nicht“. Als wir uns später bei unserem Freund Christoph ausheulen wollten, sagte der nur : „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen.“
Die rote A-Klasse und die schwarze A-Klasse
1999 hatten wir uns nach zweijähriger Begeisterung für die 1997 herausgebrachte A-Klasse trotz Umkipp-Negativ-Kampagne dazu entschlossen, bei Mercedes Hofmann in Salzkotten (existiert nicht mehr), eine Probefahrt zu beantragen. Ein gebrauchtes Exemplar war verfügbar, welches wir ein ganzes Wochenende überlassen bekamen. Wir kauften und überbrachten 39000 DM in bar nach Salzkotten. War das damals viel Geld ? Vielleicht. Das rot lackierte Auto hatte erst 700 km „runter“, aber schon 2 Vorbesitzer gehabt. Wir waren die dritten.
Im Dezenber 2003 kauften wir die zweite A-Klasse. Diesmal neu ab Werk (Abhol-Fahrt nach Rastatt). Was hatte uns dazu bewogen ?
Die A-Klasse war für uns das ideale Traum-Auto schlechthin. Auf der Positiv-Liste standen:
- Gelungenes äußeres Styling
- reichlich Raumangebot
- bestes Cockpit-Feeling und hohe Sitzposition
- Variables Ambiente : Alle Sitze (außer Fahrer) konnten komplett mit wenigen Handgriffen ausgebaut werden. Dadurch war die Inline-Mitnahme unserer Fahrräder möglich. Das Update vom roten uf das schwarze Modell 2003 wurde vor allem deshalb durchgeführt, weil das Auto mit dem bescheuerten Aktions-Zusatz „Picadilly“ großzügige 17 cm länger war und noch mehr Zulade-Komfort besaß.
- Zuverlässigkeit und Langlebigkeit ergaben sich on Top.
Mit dem roten fuhren wir gleich nach Kauf zu dritt für ein Wochenende nach Amsterdam. Einer der Rücksitze war daheim geblieben, Am Steuer saß unser Oppa, die Mutter war Beifahrerin, und wir lümmelten uns auf dem breiteren Teil der Rückbank. Unterwegs hatten wir Platz und Gelegenheit, um im Auto spazieren zu gehen, z,B . um hinten etwas rumzukramen. Beim Einsteigen musste man nicht über eine hohe Schwelle steigen, man war gleich auf Boden-Niveau. Das war auch praktisch beim Ausfegen. Gelegentlich mitreisende Senioren zeigten sich begeistert über den leichten Zustieg. Wir waren mit dem Auto in Danmark, Nederland, Belgie, France, Schweiz, Italia und Österreich. 2014 wollten wir uns davon jedoch schweren Herzens trennen. Nach 11 Jahren hatten wir das Gefühl, es müsse was Neues her. Das Auto hatte keine Assistenz-Systeme, keine Internet-Verbindung, keine Navigation, und die Servo-Lenkung war nicht die leichtgängigste. Nur waren wir nach heutiger Erkenntnis mit dem Systemwechselwunsch einige Jahre zu früh. Unser Schwarzer ging in 2 weitere Hände und wurde aus Altersschwäche nach langer intensiver Pflege erst 2025 stillgelegt, im Niemandsland zwischen Holzminden und dem Solling, Erst 4 Jahre und zwei Autos später hatten wir annähernd das, was 2014 schon unser Wunsch gewesen war.
Škoda Yeti oder Peugeot 2008 ?
2014 machten wir 2 Probefahrten. Zuerst mit dem Škoda Yeti. Dieses Auto war das einzige am Markt mit herausbaubaren Rücksitzen. Dazu kompakt und stylish. Ein unangenehmer Verkäufer von Thiel am ehem. Diemel-Sitz in Schloss Neuhaus laberte uns schwindelig, dabei behandelte er uns als Ahnungslose. Immerhin gewährte er eine Probefahrt von ca. 1 Stunde. Die führte testweise in die heimische Garage, wo wir mit Hängen und Würgen so gerade eben reinkamen. Aus Angst vor einer jahrelang dauernden nervlichen Überforderung entschieden wir uns gegen den Yeti. Das war natürlich Quatsch. Wir hätten ihn kaufen sollen.
Als Alternative hatten wir – aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen – den Peugeot 2008 ausgekuckt. Bei Markötter, wo auch die schicken Marken Rover und Volvo gehandelt wurden, bekamen wir ebenfalls eine Probefahrt. Man sagt, wenn der Kunde erstmal die Probefahrt genossen hat, ist der Kauf nur noch Formsache. Die angekündigte Lieferzeit betrug ein halbes Jahr. 3 Monate nach Bestellung setzte tiefe Reue ein, und wir waren drauf und dran zu stornieren, trauten uns letztendlich aber nicht.
Die Fahreigenschaften der 92-PS-Karre waren ganz gut, mehr hatte er aber auch nicht zu bieten. Der damals riesige 8-Zoll-Monitor zeigte nur Belangloses an. Kein eigenes Navi, kein Apple Car Play, kein Android Auto. Die äußere Form des 2008 erinnerte an eine durchgelegene Matratze. Nur die Ferienhaus-Besitzer in Varengeville im Urlaub 2016 waren begeistert, dass wir eine französische Marke fuhren. Immerhin hatten wir einen Fahrradträger drangekauft, der heute ncch in Benutzung ist. Ein mittelprächtiger Crash (frontal auf einen Felsen, Front inkl. Klimaanlage kaputt) minderte den Verkaufswert. Nach 4 Jahren, 2018 war die Korrektur dieses Fehlkaufs fällig. Wir gaben ihn bei Kleine in Zahlung, und dort stand er noch ein Dreivierteljahr angetackert auf dem Hof. Kleine tat uns leid.
Ford Ecosport
Frühjahr 2018. Als Ford begann, das Weltmodell Ecosport (leere Worthülse) nicht mehr in Indien zu produzieren, sondern in Europa, genauer gesagt in Rumänien, bekamen wir Interesse. Deshalb, und wegen der hart empfundenen Federung bezeichneten wir ihn oft als „Zigeuner-Hoppelkiste“. 100 PS, die sich allerdings wie 50 PS anfühlten. Ford machte einen guten Preis. Endlich war Connectivity auf dem Display, wir bekamen wieder eine Anhängerkupplung, nicht viel, aber ausreichend Platz im Inneren, eine erhöhte Sitzposition und gute Fahreigenschaften. Navigieren ging nun mit dem albernen Ford-Navi oder mit Google Maps. Nur, wozu die Heckklappe seitlich aufschwenkte und nicht nach oben, blieb stets unverständlich. Es machte keinen Sinn, war dafür nur umständlich. In YouTube Autotests wird immer darauf rumgeritten, wenn in der Innenausstattung hier und da Hartplastik vorkommt, Der Ecosport hatte nur Hartplastik. Schnell waren die Sitze mit Schokolade vollgeschmiert, wir könen nicht anders. Wir fuhren ihn iimmerhin 6 Jahre.
2020 kam der Volkswagen ID.3 auf den Markt, der uns optisch und aufgrund der total anderen Eigenschaften begeisterte. Aber keine Probefahrt. Das Thema konnte besser nur in kleinen Dosierungen zur Sprache gebracht werden. Ab dem fünften Ford-Jahr übten wir bereits, reichweitensparsam wie in einem Elektroauto zu fahren – langsames Beschleunigen, nie schneller als maximal 110. 2024 war er reif. Ein schuldlos eingefangener Crash auf der A28 bei Oldenburg (Auffahrunfall von hinten) wurde repariert, steigerte aber nicht unbedingt den Wert. Thiel bot unbesehen 5000, Niggemeier nach Inspektion ebenfalls 5000, nur Stricker in Horn Bad Meinwerk machte mit 8000 den besten Kurs. Dort verblieb der weiße Ford Ecosport am 19.6.2024 auf Nimmerwiedersehen. Schade, wir fuhren ihn gerne. Der erste Urlaub mit ihm war 2018 Kollmar bei Glückstadt an der Elbe, der letzte im Juni 2024 in Xanten am Niederrhein mit Abstecher an die Maas. In den Corona-Jahren ging nicht viel. 2019 waren wir in Expergæde nördlich von København.
2.
Must-have’s und Nice-to-have’s
Ohne dass es jemals zu ernsthaften Kauferwägungen gekommen wäre, fanden einige Autos unser gesteigertes Interesse. Stille, pure Emotion, kein albernes Schwärmen, kein Fachsimpeln oder Austausch mit anderen.
Die Modelle wechselten im Laufe der Zeit. Hier eine kleine Auswahl. Dabei kommen ganz alte Oldies, also alles vor 1953, Autos, deren Blütezeit wir nicht selbst erinnern, gar nicht vor.
Ford 17M (1957)
Ford’s Antwort auf den GM Chevrolet Bel Air, anschließend adaptiert für deutsche Verhältnisse. 3-Gang-Lenkrad-Schaltung. Als Kombi sah er noch cooler aus, wie ein Station Wagon aus Arkansas, Alabama oder Missouri.
Das Amt Schloß Neuhaus besaß so einen in dezent Behörden-angemessenen Leitz-Aktengrau. Er war dem Amtsdirektor und manchmal den Abteilungsleitern als Dienstwagen mit Chauffeur vorbehalten. Freddy war Hausmeister im Amt. Fahren durfte er das Auto nur vom Parkplatz in die Garage. Zu seinen Aufgaben gehörte es, den 17M samstags nachmittags zu Waschen. Fließendes Wasser mit einer weichen Bürste und gelb-gezacktem Schlauch. gehörten zur Ausstattung. Anschließend trocknen mit einem Lederlappen. Wir selbst durften den Lederlappen nach jedem Wischen durch eine kleine Mangel quetschen. Zwischendurch nahmen wir die unausgesprochene Erlaubnis wahr, fantasieanregend am Steuer sitzen zu dürfen. Hauptamtlicher Dienst-Chauffeur war Bee’s Hänschen von der Kaiser-Heinrich-Straße, er trug stets Handschuhe beim Fahren. Freddy war nebenbei auch Fahrer, aber nur mit dem als Zweitwagen im Fuhrpark enthaltenen Ford 12M. Möglichst häufige Mitfahr-Gelegenheiten erschlossen uns früh den Kreis Paderborn und Umgebung. Ärgerlich war nur dieser langweilige 12M – schon damals hausbacken, altertümlich und fremd, also uncool.
Foto ; Internet-Fund
Jaguar E-Type
Der E-Type (ab 1961) war ein Autoquartett-Klassiker, und man sah ihn durchaus manchmal auf der Straße. Heute wirkt er mit dem langen Motor-Vorbau, dem kurzen Heck und den großen Fensterscheiben irgendwie unproportioniert. Damals hätte der Motor-Vorbau natürlich doppelt so lang sein können. Seinerzeit eher Nice-to-have.
Jaguar XJ12
Wenn der klischeehaft „very british“ daherkommende XJ12 die richtige Farbe und die richtige Schweinwerfer-Variante hat, könnte man sich heute noch vorstellen, damit zu fahren, während der E-Type mehr für das Museum infrage kommt. Wir kennen welche, die XJ12 Jaguars sammelten und durften einmal mitfahren. Aber da war das Interesse schon verloschen und solche Autos zum Anachronismus geworden.
Morris Minor Traveller (1965)
Diesen Morris Minor’s im Look der frühen 1950er Jahre begegneten wir meistens im Oldtimer-Land Danmark. Charaktervoll, überschaubar, gemütlich. Der Sinn der Holz-Elemente am Laderaum hat sich uns nie erschlossen, aber die waren es, was das Auto ausmachte. Hätten wir einen haben wollen ? Wenn, dann natürlich mit Rechts-Lenkung für den Links-Verkehr, um in Kombination mit einem Paderborner Kennzeichen so richtig aufzufallen, auf den zweiten Blick.
Alfa Romeo in den 1970er Jahren – das war für uns das italienische Pendant zu BMW. Dabei erkennbar härter, brutaler und mafiöser. Gerade die (nicht „der“) Giulia Super Nova ruft stereotype Bilder hervor : Das Auto kommt herangebrettert und 3 Kerle in schwarzen Anzügen, Sonnen-bebrillt, Haar-gegelt, rauchend und Maschinen-gewehrt stürmen in die Bank. Einer bleibt im Wagen sitzen. Der Jüngste. Er muss später am ehesten dran glauben, denn er hat die Toten nicht zu verantworten und weiß zuviel. Das Auto strahlt diese Amutung aus. Als Besitzer mit deutschem Pass konnte man mit dem Afa natürlich auch nur normal Urlaub in Italien machen und sein Touristen-Image aufpolieren.
Die Giulietta, vergleichbar mit den damaligen Modellen des Opel Manta, war deutlich harmloser einzustufen. Statt einer böse kantigen Form hatte „sie“ eine elegante und geschmeidige Form. In Paderborn war das Auto zwar keine Seltenheit, fiel aber in der Masse auf. Pflichtfarbe : Rot.
MG MGB
Früher, in den 1970ern, war MG noch keine chinesische Marke. Nichts gegen China, aber England war und ist vielleicht aus nostalgischem Empfinden kulturell näherliegend und vertrauter. Ein inniger Wunsch war – wenn die Realisierung etwas realistischer gewesen wäre – der Mutter dieses Auto zum Geburtstag zu schenken. Als Coupé, nicht als Cabrio. Die meisten MGB’s, die man auf der Straße sah, hatten den klassischen verchromten Kühlergrill mit eng aneinander aufgereihten Stangen in zwei Hälften links und rechts. Es gab selterner die Variante mit einem schwarzen Plastikblock und zwei großen Luftschlitzen. Die waren natürlich hässlich und wir ließen solche in unserer Fotosammlung aus. Keine Rolle gespielt hätte die Motorleistung, die bei allen Modellen deutlich unter 100 PS blieb, aber mehr als unsere Gölfe zu bieten hatte.
Die anderen britischen Coupés und Cabriolets waren keine Option für uns :
- Austin Healy 3000 : zu protzig und einseitig auf „sportliche“ Angeber-Fahrten ausgerichtet
- Triumph TR4, TR6 : dito, dabei auch aggresiv in den Ausdrucksformen
- Aston Martin, TVR : zu exotisch
FIAT 600 Multipla
Es gab Vans, wie den Volkswagen Sharan, Mini-Vans wie die Mercedes A-Klasse und Micro-Vans wie den FIAT 600 Multipla – den ab 1956. Als Kind waren wir fasziniert davon, wie kompakt ein 6-Sitzer sein konnte. Als Fahrer und Beifahrer musste man mit seinem Blick nicht eine lange Motorhaube überbrücken, sondern saß direkt auf der Straße, und war doch vor Wind und Wetter geschützt. Frontale Unfälle waren einfach nicht vorgesehen. Dieses Auto wollten wir dereinst selbst fahren. Leider kam es nicht dazu. Gefunden in Portugal.
Opel Rekord „B“
Der Rekord B wurde nur von 1965 bis 1966 gebaut und das Design dann wieder verändert, leider nicht zum Besseren. Als er im Stadtbild auftauchte, begannen wir sofort, die markante Front des Kühlers mit dem zweifach nach vorn gefalteten Gitter zu zeichnen. Leider hatte Opel (ebenso wie Merdedes) die bis in die Seiten rumgewölbten Frontscheiben wieder aufgegeben, Frontscheiben waren wieder flacher und zweidimensonaler geworden. Auch für faszinierend-elegante Doppelscheinwerfer reichte es nicht. Deutschland musste sich mit biederen plumpen Formen zufrieden geben, anders als bei den amerikanischen Pendants. Das war schon beim 1957er Rekord und Kapitän so.
Citroën CX
Den CX gab es von 1974 bis 1991 in den Varianten Prestige, Pallas und Break. Wir waren nahe am Kauf eines gebrauchten „Break“ (der Kombi, wie abgebildet) dran, welcher bei Prante in Benhausen angeboten wurde. En France sah man das Auto damals oft als Kranken- oder Leichenwagen. Allerdings waren um das Jahr 1979 die aufgerufenen 12.000 DM ein Stange Geld – zuviel für ein Auto, mit welchem wir schon wegen der Länge in der Praxis nicht glücklich geworden wären. Der CX hätte damals direkt unsere Ente abgelöst.
Mit so einem Auto träumten wir von nächtlichen Fahrten bei schlechtem Wetter über beleuchtete holländische Autobahnen, zum Runterkommen coole, Sehnsucht auslösende Musik der Kategorie „laid-back“ hörend, um in Nederland Freunde in Rotterdam zu besuchen, Musik- und Fotoprojekte abzuwickeln oder von Hoek van Holland frühmorgens nach Harwich überzusetzen. Anders ausgedrückt : So stellten wir uns unser Leben vor. All das verblieb allein im Reich der Fantasie. Auf den nächtlichen Fahrten durch Holland saßen wir meistens zu viert in einem kleinen gelben Ford Fiesta und tranken einen Kaffee in der Raststätte Hünxe an der A3.
Range Rover Evoque
Um 2013 stand der Range Rover Evoque auf unserer Wunschliste. Konnten wir uns natürlich nicht leisten, denn billig war er nicht. Ein kompakter SUV mit gut gestylten Proportionen, dazu ein Schuss Britishness. Christa, eine Bekannte, damals noch unsere Kundin und Kosmetik-Vertrieblerin, fuhr so einen als Dienstwagen. Den Nicht-Kauf konnten wir aber gut wegstecken.
John Deere Gator
Der John Deere Gator ist eine Familie kleiner, geländegängiger Nutzfahrzeuge des Herstellers John Deere. Typischerweise verfügen Gators über eine Ladefläche, ähnlich der eines Pick-ups. Man kann sie ohne Anmeldung auf einem Privatgelände betreiben, aber auch mit Kennzeichen auf öffentlichen Straßen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/H. Uns interessiert vor allem die Variante mit Vollverglasung der Fahrer-/Beifahrerkabine und mit Klimatisierung. Unsere Vorstellung geht dahin, mit dem Gator entschleunigt in den Urlaub zu fahren. Natürlich nur auf Nebenstrecken und landwirtschaftlichen Wegen. Mit jedem Kilometer Entfernung von zuhause wird die Umgebung unbekannter, einsamer und spannender. Übernachtungen abseits alter Gewohnheiten würden per Zelt auf der aufgeklappten Ladefläche stattfinden, sicher vor Schnecken, Ratten und Wildschweinen. Bei Regen gemütlich in der Glaskabine sitzen – das ist Camping von Anfang an.
3.
Eine Auswahl interessanter Raritäten
So, das war’s. Unsere Sammlung umfasst ca. 1200 Abbildungen von Autos, die wir in den letzten 40 Jahren fotografiert haben. Ohne eine direkte Beziehung dazu aufgebaut zu haben.