Manch einer wird gehört haben, dass es unter dem Dome eine erhaltene Grabungsstätte gibt, die von Vorgängerbauten des heutigen Gebäudes zu berichten weiß. Auf einer geführten Begehung lässt sich die Reise bis zu den christlichen Wurzeln erkunden. Was die Fachleute bei der Domrenovierung in den Jahren 1978 – 82 in mühsamer Kleinarbeit erkundeten, blieb der Nachwelt unter eine Schutzdecke erhalten. Die Mauerzüge gehen bis ins die Zeit des Bischofs Badurad (9. Jh.) zurück, der für die Gebeine des hl. Liborius eine eigene Gedenkstätte errichten ließ. „Das Heiligengrab sollte ein Anziehungspunkt für die Diözese werden“, sagte Grabungsleiter U. Lobbedey. – Aber was verraten uns die vielen Pfeilerfundamente in dichter Folge? Über diesen stand die Eingangshalle Bischof Rethars (vor 1000). Sie müssen einer große Belastung ausgesetzt gewesen sein. Man denke sich einen Westchor mit Herrscher empöre für Kaiserbesuche (Vergleich Corvey).

Durch Brandkatastrophe vernichtet (1000), ließ Bischof Meinwerk einen bedeutenden Kirchbau errichten, dessen Turmfundamente hier nachgewiesen werden konnten. Fußbodenfragmente legen Zeugnis ab von der großartigen Ausschmückung. Dieser große Aufwand wurde abermals ein Raub der Flammen (1058) und erstrahlte unter Bischof Imad neu (1068). St. Liborius bekam einen ersten Schrein. Dieser wurde erhöht platziert im Westchor. Jene Bischöfe, die am Grab des Heiligen ihre letzte Ruhestätte hatten wurden umgebettet.

An den Wänden erkennt man die einzelnen Erdschichten: Wir wandeln auf dem Schutt von Jahrhunderten. Die Laufhorizonte haben sich verschoben. Spuren lesen kann spannend sein: Mauerzüge (Befunde) und kleine Objekte im Boden wie Münzen, Scherben Putzreste (Funde) ermöglichen eine zeitliche Zuordnung. So wird eine alte Kulturstätte zu einem aufgeschlagenen Buch der Bauentwicklung im Mittelalter.

Fotos von der Kammer